Der erste Schritt ist getan
Meine Step up!-Beratung fand im Frühjahr 2026 statt, und seitdem hat sich meine Situation um einiges weiterentwickelt. Damals bekam ich fünf verschiedene Studienvorschläge, die mich in den Monaten danach sehr beschäftigt haben. Das Ergebnis war teilweise überraschend und ein bisschen „enttäuschend“. Ich hatte das Gefühl, dass meine Beraterin Anne vor allem meine analytischen Fähigkeiten in den Blick nahm, etwa wegen meiner Leistungskurse Mathe und Physik. Mir wurde von ihr gesagt, ich sei nicht kreativ, obwohl ich bisher immer als kreativ wahrgenommen wurde und mich selbst auch so beschreiben würde. Gleichzeitig hatte ich mir ja gerade eine Einschätzung von der Beratung gewünscht, die ich erstmal nicht selbst beeinflusse, auch, weil ich vieles auch selbst nicht weiß. Diese Diskrepanz hat mich in den nächsten Monaten lange beschäftigt, weil ich plötzlich unsicher war, ob ich mir selbst vertrauen kann.
Deshalb habe ich Kontakt zu meiner Mentorin Sabrina aufgenommen. Ich wollte meine Studienoptionen, die ich bestimmt alle schaffen würde, darauf testen, ob ich sie auch wirklich will. Parallel habe ich mich schon an mehreren Universitäten beworben, weil ich wünsche mir ein internationales Studium, und die Bewerbungsfristen im Ausland liegen oft früher als in Deutschland. Ich hatte unter anderem Polen, die Schweiz, Frankreich und Spanien im Blick.
Mein erstes Telefonat mit Sabrina fand etwas später statt, hat aber viel gebracht. Wir haben vor allem darüber gesprochen, wie man herausfindet, was einem Spaß macht. Ich habe oft das Gefühl, in allem gut werden zu können, und genau deshalb fällt es mir schwer zu erkennen, was ich eigentlich gerne mache. Durch Step up! sind außerdem Optionen dazugekommen, an die ich vorher gar nicht richtig gedacht hatte: Umweltingenieurwesen, Jura, Wirtschaftsingenieurwesen oder Kultur und Wirtschaft. Lange Zeit zuvor hatte ich gesagt, ich wolle Architektur studieren. Aber lustigerweise rückte auch Bauingenieurwesen immer mehr in den Fokus, was dann auch sogar eines der Step up!-Ergebnisse war. Im selben Jahr bin ich außerdem auf Urban Sustainable Studies gestoßen, einen Joint Bachelor, den ich seitdem ebenfalls in Betracht zog. Der Studiengang ist allerdings noch relativ neu, ein bisschen ein Experiment, und niemand weiß so richtig, wie er ist.
Mit Sara habe ich mich durch all diese Möglichkeiten gearbeitet. Sie hat mir geholfen, Optionen auszusortieren, die ich eigentlich nur wählen würde, weil sie ,cool’ klingen, etwa Kultur und Wirtschaft, Jura oder um ehrlich zu sein auch Architektur. Von Architektur hatte ich mich während meines IJFD aber ohnehin immer weiter entfernt, weil mir einige Architekturstudierende von Dauerstress im Studium und mittelmäßigen Jobaussichten erzählt hatten.
Während unseres Mentorings hat Sabrina mir mehrere Methoden an die Hand gegeben, um meine Entscheidung durchzudenken. Das war eine super große Hilfe! Am Ende blieb eine deutlich überschaubarere Wahl zwischen Bauingenieurwesen und Urban Sustainable Studies.
Mein Hauptproblem war dabei die Abwägung: Interessiert mich der Inhalt von Urban Sustainable Studies persönlich mehr, oder bietet mir Bauingenieurwesen vielleicht mehr Optionen für die Richtung, in die ich beruflich gehen will? Die Richtung der gebauten Umwelt hat mich schon immer interessiert, und beide Studiengänge gingen auf jeden Fall in diese Richtung, also konnte ich ja nicht mehr so viel falsch machen. Sabrinas Ermutigungen haben da auf jeden Fall auch ein wenig den Druck rausgenommen.
Ab Mitte Juni war ich dann 2,5 Monate mit DiscoverEU durch Interrail in Europa unterwegs, eine Reise voller neuer Erfahrungen. Ständig neue Länder, Umgebungen und Menschen haben mir Raum gegeben, mich mit mir selbst, meinen Interessen auseinanderzusetzen, viel zu reflektieren und verschiedene Lebensentwürfe kennenzulernen. Gleichzeitig konnte ich bei einigen DiscoverEU MeetUps sehen, wie andere Jugendliche aus anderen Ländern ihren Weg gehen. Fast gleichzeitig sind mir dabei zwei Dinge klar geworden:
• Erstens: Ich liebe die Vielfalt von Großstädten wie Paris, Marseille, Wien, Bukarest oder Sofia. Unterwegs habe ich gemerkt, dass ich mir kaum vorstellen kann, in einer kleineren Stadt (ab etwa 150.000 Einwohnern abwärts) richtig zu studieren. Das hat meine Auswahl deutlich eingeschränkt, ebenso wie die Tatsache, dass ich mein Studium selbst oder mit BAföG finanzieren muss.
• Zweitens: Ich möchte im Bachelor vor allem ein Fundament, das mir viele Türen offen hält. Das bieten im Grunde beide Studiengänge, aber ich habe noch einmal genauer darüber nachgedacht. Ich würde mich als ambitionierten Menschen bezeichnen und hatte öfter den Eindruck, dass Leute, die Ingenieurwesen studieren, besser wissen, wo sie hinwollen.
In kurzen Zwischenupdates hat Sabrina mich außerdem ermutigt, meinen eigenen Weg zu gehen. Sie sagte, es sei völlig in Ordnung, unsicher zu sein und nicht nur im schlimmsten Fall, sondern auch schon bei einem möglichen Neigungswechsel später noch einmal den Studiengang oder die Ausbildung zu wechseln.
Die eigentliche Frage sei, wie ich mich jetzt entscheide und wie ich das vor mir selbst rechtfertigen kann. Das zu hören, auch mit Blick auf ihren eigenen Lebensweg, war echt schön, denn es hat mir den Druck genommen, den ich mir selbst oft mache, alles perfekt durchziehen zu müssen.
Mit der Zeit hat sich abgezeichnet, dass ein Studium in Polen finanziell eine ziemlich gute Entscheidung wäre. Für Urban Sustainable Studies wäre Toruń infrage gekommen, doch um ehrlich zu sein ist mir die Stadt ein wenig zu klein. Also habe ich mich auf den letzten Drücker für Bauingenieurwesen auf Englisch in Warschau beworben. Ich hatte nicht damit gerechnet, angenommen zu werden, und wurde es trotzdem. Danach hat sich vieles erstaunlich leicht gefügt: Warschau ist eine Großstadt mit guten Verbindungen zu internationalen Freundschaften aus DiscoverEU und meinem IJFD, finanziell ist es gut machbar, und einen Platz im Studierendenwohnheim habe ich auch leicht bekommen.
Bei einem späteren DiscoverEU-MeetUp, nachdem ich meine Entscheidung nach Warschau zu gehen schon getroffen hatte, habe ich sogar jemanden getroffen, der Urban Sustainable Studies studiert, und jetzt in Madrid sein wird. Ich beneide ihn ein wenig um sein internationales Studium in drei Ländern, bin aber gleichzeitig extrem zufrieden und glücklich, in Warschau zu sein. Ich fühle mich hier wirklich wohl. Meine einzige realistische Alternative wäre für diesen Studiengang ohnehin nur die Universität in Toruń als Start- und Enduniversität gewesen, und die Stadt ist mir, wie gesagt, etwas zu klein.
Jetzt beginne ich gerade mein Studium, es hat am 1. Oktober angefangen. Auch wenn ich mir immernoch unsicher bin, ob ich mich richtig entschieden habe, überrascht es mich, wie interessant ich es bisher finde. Außerdem habe ich eine weitere Mentorin kontaktiert, die Bauingenieurin ist, um mich auch mit ihr darüber auszutauschen :D
Ich weiß noch nicht, ob ich bei diesem Studium bleibe. Aber bisher war es in meiner jetzigen Situation alles in allem die beste Entscheidung, hierherzukommen, und ich mag Warschau wirklich sehr! Ich bin zuversichtlich und gespannt, ob mir das Fach auch so gefällt wie Warschau und mir auch so viel Spaß macht, oder ob ich doch noch einmal wechsele. Mein Gefühl sagt mir jedenfalls, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
In dem Zeitraum seit meiner Beratung habe ich an Step up! zu schätzen gelernt, dass es mir bei dem Mentoring keine Entscheidung abnimmt. Direkt nach der Beratung hatte ich mich plötzlich durch die Vorschläge zunächst echt stark eingeengt gefühlt, vor allem durch die Einschätzung, ich sei analytisch, aber meine Beraterin würde gar keine Kreativität bei mir sehen. Inzwischen ist mir klar geworden: Step up! gibt Einschätzungen, Ratschläge und ein Netzwerk, in dem man jederzeit Fragen stellen kann, lässt aber bewusst offen, was man daraus macht. Es ist mein Weg und meine Entscheidung. Und eine Einschätzung ist eben nur eine Einschätzung, auch wenn sie von Profis wie bei Step up! kommt :)
Aber genau diese Freiheit, den eigenen Weg zu gehen und trotzdem Rückhalt zu haben, macht Step up! für mich so wertvoll.

«Ich fühle mich zutiefst erleichtert, weil ich mehr Klarheit über mich gewonnen habe. Vieles wusste ich eigentlich schon tief in mir, aber ich habe mich fast auf einem Weg verloren, der nicht so ganz meiner ist. Jetzt habe ich das Gefühl, wieder mehr auf meine eigene Bahn zurückzufinden.»
Die Zusammenarbeit mit Sonja habe ich als besonders inspirierend und angenehm erlebt. Sie bringt eine natürliche Fähigkeit mit, unterschiedliche Gedanken, Menschen und Perspektiven miteinander zu verbinden, wodurch Gespräche schnell an Tiefe gewinnen, und neue, klare Erkenntnisse entstehen. Ihre große Neugier und ihr ehrliches Interesse daran, Dinge wirklich zu verstehen, haben den gesamten Prozess spürbar bereichert und immer wieder für spannende Impulse gesorgt. Gleichzeitig schafft sie es durch ihre offene und zugewandte Art, sofort eine vertrauensvolle Atmosphäre entstehen zu lassen, in der man sich gerne austauscht. Beeindruckend war auch, mit wie viel innerem Antrieb und Zielstrebigkeit sie an ihren eigenen Themen gearbeitet hat – stets fokussiert und mit dem Wunsch, wirklich etwas für sich mitzunehmen. Besonders in Erinnerung bleibt mir ihre Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge schnell zu erfassen, kluge Fragen zu stellen und daraus für sich wertvolle Schlüsse zu ziehen – insgesamt ein Tag, der durch ihr Engagement und ihre reflektierte Art sehr bereichernd war. Ich wünsche Sonja für Ihre Zukunft nur das Allerbeste!








