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Mit Step up! Rückenwind nach Münster

Von einer teils unsicheren Abiturientin zu einer stolzen Medizinstudentin? So oder so ähnlich könnte man meine letzten Monate zusammenfassen. Mitte Januar war ich heilfroh, durch den Beratungstag Rückenwind und Bekräftigung für meine Entscheidung, ein Medizinstudium aufzunehmen, zu bekommen, aus der ich Kraft und Optimismus für die Zukunft schöpfte.

Im Februar und März stand im Zuge des Pflegepraktikums in einer Münsteraner Klinik der Auszug von Zuhause an. In den zwei Monaten, die ich im Krankenhaus auf der unfallchirurgischen Abteilung verbrachte, lernte ich, dass Wertschätzung immer einen Mehrwert schafft, Theorie und Praxis sich teils extrem voneinander entfernen und ständige Bereitschaft und die Fähigkeit zuzuhören unerlässlich sind. Eines Tages während meines Praktikums war ich – eher zufällig als geplant – dabei, als einem Patienten die Redon-Drainage (Saugdrainage zur Ableitung von Wundsekreten nach einer OP) gezogen wurde und das Blut aus dem Körper „spritzte“. Dies ist im Grunde kein besonders außergewöhnliches Ereignis und die Personen werden schnell versorgt, aber für mich stellte es einen kleinen – wenn auch passiven – „medizinischen Erfolg“ dar, denn von da an war ich sicher, dass der Umgang mit Blut kein Problem darstellt.

Naja, so sicher schien der Studienbeginn im April zwischenzeitlich doch nicht, da ich über die Abiturbestenquote an der Uni Münster keinen Studienplatz erhielt. Meine vorherige Unbesorgheit schöpfte ich aus dem Gedanken „die Ruhe vor dem Sturm“ zu nutzen, um beispielsweise mehr zu lesen oder mich ganz meiner Arbeit auf der Station zu widmen. Dies wurde mit der Einladung zum Studierfähigkeitstest schlagartig abgelöst durch die Vorbereitung auf ebenjenen. Der Auswahltag selbst verlief teils besser, teils schlechter. Wenige Tage später erhielt ich jedoch eine Zusage. Die Freude war groß und die Wertschätzung des Studienplatzes nun umso größer!

Meine Mentorin, Frau Dr. Paradowski, gab mir während eines Telefonats ein gutes Gefühl für den nahenden Studienbeginn. Sie erzählte von ihrer Studienzeit und blickte auf Dinge zurück, die sie im Nachhinein anders gestaltet hätte. Außerdem gab sie mir einen Ausblick in Bezug auf die fachärztliche Ausbildung, z. B. welcher Bereich besonders gut mit der Familie vereinbar ist.

Mein Praktikum endete einen Tag vor dem Kennenlernen meiner neuen Kommilitonen, mit denen ich (hoffentlich) die nächsten Jahre zusammen verbringen werde. Mein Semester ist eine deutlich heterogenere Gruppe als ich zuvor annahm und genau das mag ich total. Dieses Klischee von den 0,8er-Abiturienten trifft meines Erachtens auf so ziemlich keinen hier zu. Dadurch, dass es bei den Klausuren zunächst nur „bestehen“ oder „nicht bestehen“ gibt, fällt auf, dass jeder versucht, den anderen bestmöglich zu unterstützen. Das Ganze beruht natürlich immer auf Gegenseitigkeit, aber es ist überaus angenehm, wenn wir miteinander und nicht gegeneinander arbeiten (wie man es vielleicht von manch anderem Studiengang hört). Zudem schätze ich es sehr, dass durch den Beginn im Sommersemester (fast) alle Studierenden schon ein Praktikum gemacht haben, im Ausland waren oder Ähnliches. Nichtsdestotrotz fiel es mir anfangs schwer, mich in der großen Gruppe zu orientieren, sodass sich meine Introversion stärker in den Vordergrund rückte. Inzwischen hat sich das glücklicherweise gelegt.

Das Studium selbst gefällt mir sogar noch besser als angenommen. An Chemie und Physik, zwei Fächer, die ich nach der 9. Klasse abwählte, finde ich zunehmend Gefallen. Die naturwissenschaftlichen Denkmuster nehmen sukzessiv zu und um ehrlich zu sein, vermisse ich die Schule mitsamt der vielen Analysen in den sprachlichen Fächern kaum. Die Uni bietet mir trotz der zahlreichen Pflichtveranstaltungen mehr Selbstständigkeit, fachliches Wissen und einen Horizont der Möglichkeiten. Ja es gibt Vorlesungen, bei denen man zunächst wenig versteht, ja es gibt Praktika, die weniger interessant erscheinen und ja es gibt Tage, an denen man von morgens bis abends in der Uni ist. Aber zugleich mag ich es, weil ich das Gefühl bekomme, Tag für Tag etwas dazuzulernen. Die Welt – nicht nur die Medizin – besser zu verstehen, hat etwas Befriedigendes an sich, woraus ich immer wieder neue Motivation schöpfen kann. Als Medizinstudentin lerne ich nicht nur für mich, sondern mein Wissen wird hoffentlich später auch für andere Menschen eine Bedeutung haben. Dennoch erfordert es derzeit für mich noch viel Zeit und Geschick, die für mich passende Balance aus Studium, Familie, Freunden und sonstigem Engagement zu finden. Da Aufmerksamkeit beim Menschen bekanntlich ein endliches Gut ist, gilt es, gut mir ihr zu haushalten und Prioritäten zu setzen! Mit Respekt und Engagement werde ich mich in den nächsten Wochen auf meine erste Semesterabschlussklausur vorbereiten.

 

Marie Langenkämper

Marie

Stipendiatin seit Januar 2019

«Step up! hat dazu beigetragen, dass meine ungefähre Ahnung zu einem sicheren Studienwunsch wurde.»

Steckbrief


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